Nebel

Die H-II-Region IC 1396 mit dem Elefantenrüsselnebel

Im sichtbaren Licht erscheint der Emissionsnebel IC1396 als runde, rötlich leuchtende und von dunkleren Strukturen durchzogene Wolke

Der rötlich erscheinende Emissionsnebel IC 1396 wird durch den heißen Doppelstern HD 206267 (in der Bildmitte) zum Leuchten angeregt. Am nördlichen Rand des Emissionsnebels befindet sich der Stern My Cephei, der wegen seiner auffälligen Färbung Granatstern genannt wird. Die Kantenlänge des Bildfelds beträgt 4°, das Achtfache des scheinbaren Vollmonddurchmessers. Eine interaktive Version dieses Bildes findet sich im Aladin Sky Atlas des CDS, Strasbourg Observatory, Frankreich. (Bild: Digitized Sky Survey – STScI/NASA, Colored & Healpixed by CDS​)

In dunklen, rüsselartigen Strukturen mit hellem Saum im rötlich leuchtenden Emissionsnebel IC1396 entstehen neue Sterne

Der Elefantenrüsselnebel mit der Katalogbezeichnung IC 1396A ist eine rund 20 Lichtjahre lange Unterstruktur im Emissionsnebel IC 1396. Noch teilweise verborgen in kühlen, kompakten Wolken aus Gas und Staub entstehen neue Sterne. Das Bild wurde mit einem 10-cm-Refraktor mit einer Brennweite von 640 mm aufgenommen und in vier Farbkanälen insgesamt 150 min belichtet: In R, G, B jeweils 20 min, in H-Alpha 90 min. (Bild: Reiner Guse)

IC 1396 ist nicht nur die Katalogbezeichnung für einen offenen Sternhaufen im Sternbild Kepheus, sondern auch diejenige für einen ausgedehnten Emissionsnebel, in den der Sternhaufen eingebettet ist. Dieser Emissionsnebel, eine sogenannte H-II-Region, hat eine Ausdehnung von rund 3° am Himmel, was fast der 40-fachen Fläche des Vollmonds entspricht. Allerdings ist der im roten Licht der H-Alpha-Linie leuchtende Nebel nur auf fotografischen Aufnahmen in dieser Ausdehnung zu erkennen.

Zum Leuchten angeregt wird der Nebel durch die UV-Strahlung einiger junger Sterne, die sich erst vor wenigen Millionen Jahren aus verdichteten Gaswolken innerhalb des Nebels gebildet haben. Dominante Quelle dieser UV-Strahlung ist der Doppelstern HD 206267, der aus zwei heißen Hauptreihensternen der Spektralklasse O6,5V und O9:V besteht und der mit zwei weiteren Komponenten des Spektraltyps B1 das Vierfachsternsystem ADS 15184 bildet. Im Visuellen sehen wir dieses Sternsystem mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,6 mag.

Innerhalb der H-II-Region befinden sich rund ein Dutzend dichtere Wolkenteile mit gut abgrenzbaren hellen Rändern. Sie heben sich insbesondere im infraroten Bereich des Spektrums gut hervor. Es handelt sich um kompakte Molekülwolken, in denen Sterne entstehen. Die auffälligste dieser Strukturen trägt die Katalogbezeichnung IC 1396A und wird aufgrund ihres Aussehens im Sichtbaren umgangssprachlich als Elefantenrüsselnebel bezeichnet.

Der rund 20 Lichtjahre lange Elefantenrüsselnebel und andere Wolkenteile in IC 1396 sind die Geburtsstätten neuer Sterne. In ihrem kühlen Innern sind Protosterne verborgen, während die intensive UV-Strahlung des Sterns HD 202267 die Materie an ihrem Rand ionisiert. Ein Wechselspiel zwischen Sternwinden und dieser UV-Strahlung sorgt dafür, dass die Gas- und Staubwolken um die Protosterne sich nach und nach auflösen und die jungen Sterne sichtbar werden.

Das Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer konnte die entstehenden Sterne im Innern des Elefantenrüssels nachweisen und fand sogar Indizien für die Bildung von Planetensystemen.

 Name:
 IC 1396
 andere Bezeichnungen:
 Sh2-131
 Objekttyp:
 H-II-Region
 Sternbild:
 Kepheus
 Position (J2000.0):
 α = 21h 38m 57,6s, δ = +57° 29′ 20″
 Winkeldurchmesser:
 360′
 Entfernung:
 800 pc = 2600 Lj