Sternbild Drache (Draco)

Sternbild-Löwe

Das Sternbild Drache scheint sich zwischen der Sternengruppe des Großen Wagens (im Foto unten rechts) und dem Sternbild Kleiner Bär hindurchzuwinden. (Bilder: Uwe Reichert)

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Der Drache (lateinisch Draco) ist ein großes Sternbild am Nordhimmel unweit des nördlichen Himmelspols. Für Orte nördlich einer geografischen Breite von 42° N ist das Sternbild zirkumpolar; nach Einbruch der Dunkelheit am besten sichtbar ist es in den Monaten April bis September, denn dann steht es am Abendhimmel hoch über dem nördlichen Horizont, Von der südlichen Hemisphäre aus ist das Sternbild nur teilweise sichtbar; die besten Beobachtungszeiten sind dort von Mai bis Juli.

Das Sternbild ist sehr ausgedehnt und flächenmäßig das achtgrößte am Himmel. Der Kopf des Drachen wird durch die Sterne Gamma, Beta, Ny und Xi Draconis gebildet, die unweit des hellen Sternes Wega in der Leier liegen. Von dort beginnend schlängelt sich eine Reihe relativ lichtschwacher Sterne zwischen dem Großen und dem Kleinen Bären hindurch. Letzterer wird von dem Drachen fast völlig umschlossen. In der griechischen Antike gehörte das Sternbild Ursa Minor sogar mit zum Drachen: Es stellte die Flügel des Untiers dar. Erst Thales von Milet soll im 6. Jahrhundert v. Chr. Ursa Minor zu einem eigenständigen Sternbild gemacht haben.

Hellster Stern im Drachen ist Gamma Draconis (γ Dra), der mit 2,2 mag etwa ebenso hell erscheint wie der Polarstern; sein Eigenname Eltanin geht auf die arabische Bezeichnung für „Drache“ zurück. Auch die Namen Rastaban (β Dra) und Thuban (α Dra) sind aus derselben Bedeutung abgeleitet. Thuban, der eine Helligkeit von 3,7 mag aufweist, hatte vor etwa 5000 Jahren die Rolle des Polarsterns inne: In seiner Nähe lag damals der nördliche Himmelspol, der infolge der Präzession der Erdachse innerhalb von etwa 25 800 Jahren einen Kreis beschreibt, dessen Mittelpunkt – der nördliche Pol der Ekliptik – ebenfalls im Drachen liegt.

Eine mit Koordinaten versehene grafische Karte eines Himmelsausschnitts zeigt weiße Sterne auf hellblauem Hintergrund. Die Fläche, die das Sternbild Drache in der Bildmitte einnimmt, ist dunkelblau hervorgehoben.

Besondere Objekte

Gut zu wissen!

Kreisel um den Pol der Ekliptik

Wegen der Präzession der Erdachse vollführt der Himmelsnordpol im Lauf von 25800 Jahren eine Kreisbewegung um den Pol der Ekliptik

Die Erdachse ist um etwa 23,5° gegen die Senkrechte zur Erdbahnebene, der Ekliptik, geneigt. Wie ein schief stehender Kinderkreisel vollführt die Erdachse eine Präzessionsbewegung im Raum, wodurch sich die Lage des nördlichen Himmelspols im Lauf von rund 25 800 Jahren einmal um den Pol der Ekliptik herumbewegt. Während sich der Himmelsnordpol gegenwärtig nahe an dem Stern Alpha Ursae Minoris befindet, den man deshalb Polarstern oder Polaris nennt, wird er sich in etwa 12 000 Jahren in die Nähe der Wega, des hellsten Sterns in der Leier, verlagert haben, Zur Zeit des Alten Ägypten befand sich der nördliche Himmelspol nahe dem Stern Thuban (Alpha Draconis) im Drachen. (Bild: Uwe Reichert)

Im Sternbild Drache liegt ein imaginärer Punkt, der sich durch eine Besonderheit unserer Erde und ihrer Umlaufbahn auszeichnet: der nördliche Pol der Ekliptik. Es ist der Punkt, auf den die Senkrechte zur Erdbahnebene weist. Auf ihn würde auch die Achse unserer Erde zeigen, wenn sie senkrecht zur Ekliptik stünde. Da aber die Erdachse um einen Winkel von 23 Grad und 26 Bogenminuten gegen die Senkrechte geneigt ist, liegt der nördliche Himmelspol um eben diesen Winkel vom nördlichen Pol der Ekliptik entfernt.

Diese Schiefe der Ekliptik, wie die Astronomen diesen Neigungswinkel nennen, ist Ursache der Jahreszeiten. Wäre die Erde eine ideale Kugel mit homogener Massenverteilung, würde sich an der relativen Lage von Himmelsnordpol und Pol der Ekliptik nichts ändern. Doch da die Erde sich wie ein Kreisel dreht und sie aufgrund ihrer ungleichen Massenverteilung Gezeitenkräften von Mond, Sonne und Planeten ausgesetzt ist, führt die Erdachse – und damit auch die Lage der Himmelspole – eine Kreiselbewegung um die Pole der Ekliptik aus.

Diese Präzessionsbewegung ist ein Phänomen, das sich am besten mit einem Kinderkreisel veranschaulichen lässt. Versetzt man ihn in eine schnelle Drehbewegung, so wird er zunächst recht stabil um eine senkrechte Achse rotieren. Unebenheiten in der Unterlage, auf der er sich dreht, oder Inhomogenitäten in seiner Massenverteilung bewirken jedoch eine leichte Verkippung der Rotationsachse. Wegen der Schwerkraft, die auf ihn wirkt, müsste er nun eigentlich umfallen. Doch ein sich drehender Kreisel hat die Eigenschaft, dass seine Rotationsachse einem solchen Drehmoment rechtwinklig auszuweichen sucht: Anstatt umzukippen, beschreibt die Drehachse eine Bahn auf dem Mantel eines Kegels, dessen Spitze mit dem Aufsetzpunkt des Kreisels zusammenfällt.

Die Erdkugel verhält sich aufgrund ihrer Neigung von gegenwärtig 23° 26′ ähnlich wie ein schief stehender Kinderkreisel. Da ihr Durchmesser am Äquator größer ist als in Richtung der Pole, ist ihr gewissermaßen äquatorumspannend eine zusätzliche Masse aufgesetzt. An diesem Äquatorwulst greifen die Anziehungskräfte von Sonne und Mond an, die sich stets in der Ebene der Ekliptik bzw. in ihrer Nähe befinden. Diese Kräfte erzeugen ein Drehmoment, das die rotierende Erde mit ihrer Rotationsachse senkrecht zur Ekliptik zu stellen sucht. Diesem Drehmoment weicht die Erde rechtwinklig aus, sodass ihre Achse sich auf dem Mantel eines Doppelkegels bewegt, dessen Spitze im Erdmittelpunkt zu liegen kommt. Infolgedessen beschreiben die beiden Himmelspole am Firmament einen Kreis mit einem Radius von 23° 26′ um die Pole der Ekliptik. Ein voller Umlauf dauert etwa 25 800 Jahre. In dieser Zeit verschieben sich auch die beiden Äquinoktialpunkte einmal durch alle Tierkreissternbilder. Diese Verlagerung ist westwärts gerichtet – entgegengesetzt zur scheinbaren jährlichen Bewegung der Sonne – und beträgt 50,39 Bogensekunden pro Jahr.

Genau genommen tragen auch die Planeten zur Präzession bei. Der Umlauf der Erde um die Sonne kann nämlich ebenfalls als Kreiselbewegung aufgefasst werden. Das Drehmoment, das die Planeten ausüben, sucht die Ebene der Erdbahn in die Hauptebene der Planetenbahnen zu drehen. Ein weiterer Beitrag zur Präzession kommt durch einen relativistischen Effekt zustande. Die daraus resultierende allgemeine Präzession ist etwas kleiner als die durch Sonne und Mond bedingte Präzession und beträgt 50,29 Bogensekunden pro Jahr.

Da das astronomische Koordinatensystem auf der Äquator- und der Ekliptikebene beruht und die Rektaszension eines Himmelskörpers vom Frühlingspunkt aus gezählt wird, bewirkt die Präzession, dass sich die Koordinaten der Gestirne verschieben. Jede Positionsangabe müsste demnach auch den genauen Zeitpunkt der Beobachtung beinhalten. Die Astronomen lösen das Problem, indem sie die Koordinaten jeweils auf eine bestimmte Standard-Epoche beziehen. Die gegenwärtig gültige Standard-Epoche ist auf den 1. Januar 2000, 12 Uhr Weltzeit, bezogen. Alle auf dieser Website genannten Positionsangaben gelten für diese Epoche.

Doppelsterne

Das Sternbild Drache enthält einige Doppelsterne, von denen zwei bereits mit einem Feldstecher getrennt gesehen werden können. Herausragendes Beispiel hierfür ist Ny Draconis (ν Dra), der 120 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Die beiden Komponenten haben eine scheinbare Helligkeit von jeweils 4,9 mag und strahlen in weißem Licht. Mit 61,9″ Abstand stehen sie weit auseinander; Personen mit guten Augen können sie sogar ohne optische Hilfsmittel als zwei Lichtpunkte erkennen.

Das System Psi Draconis (ψ Dra) hat mit 30,3″ nur den halben Winkelabstand voneinander; die beiden Sterne sind 4,9 und 6,1 mag hell.

Andere Doppelsterne bleiben der Beobachtung mit Fernrohren vorbehalten. Eta Draconis (η Dra) besteht aus zwei Komponenten der Helligkeit 2,7 und 8,7 mag in 5,2″ Abstand.

Der 85 Lichtjahre entfernte My Draconis (μ Dra) erscheint dem bloßen Auge als ein Stern 5. Helligkeitsklasse, doch besteht er aus zwei Komponenten im Abstand von 1,9″, die eine scheinbare Helligkeit von jeweils 5,7 mag aufweisen; die beiden Partner umkreisen sich innerhalb von 480 Jahren einmal.

Die Hauptkomponente von Epsilon Draconis (ε Dra) mit 3,8 mag hat in 3,1″ Abstand einen Begleiter der Helligkeit 7,4 mag.

Veränderliche Sterne

Zwei Mirasterne

R Draconis ist ein Mirastern, dessen Helligkeit mit einer Periode von 245,5 Tagen zwischen 6,7 und 13,0 mag variiert. Um die Zeit seines Helligkeitsmaximums kann er leicht mit dem Feldstecher beobachtet werden.

T Draconis ist ebenfalls ein Mirastern, dessen Helligkeit in einem Rhythmus von 421,2 ​Tagen zwischen 7,2 und 13,5 mag schwankt. Er gehört zudem zur Klasse der Kohlenstoffsterne, die in ihren äußeren Schichten mehr Kohlenstoff enthalten als gewöhnliche rote Riesensterne. Im Abstand von nur 16,5 Bogensekunden von T Draconis befindet sich ein weißlich leuchtender Stern, der Veränderliche UY Draconis. Beide bilden ein visuelles, also nur scheinbares Doppelsternsystem.

Die Lage von R und T Draconis im Drachen

Die Lage der beiden Mirasterne R Draconis und T Draconis. (Bild: Uwe Reichert)

Die aus zahlreichen Einzelbeobachtungen erstellte Lichtkurve zeigt die Helligkeitsschwankungen des Mirasterns R Draconis

Die Helligkeit des Mirasterns R Draconis schwankt in regelmäßigem Rhythmus mit einer Periode von 245,5 Tagen. (Bild: AAVSO)

Die aus zahlreichen Einzelbeobachtungen erstellte Lichtkurve zeigt die Helligkeitsschwankungen des Mirasterns T Draconis

Die Helligkeit des Mirasterns T Draconis schwankt in regelmäßigem Rhythmus mit einer Periode von 421,2 Tagen. Seine in der Literatur angegebene Maximalhelligkeit von 7,2 mag erreichte er in den letzten Jahren nicht. Das ist offenbar darauf zurückzuführen, dass T Draconis auch ein so genannter Kohlenstoffstern ist, dessen äußere Schichten gelegentlich Kohlenstoffwolken ausstoßen, was seine Helligkeit mindert. (Bild: AAVSO)

Nebel

Der Katzenaugennebel NGC 6543

Katzenaugennebel NGC6543, aufgenommen mit dem HST 1994

Ein Komposit des Katzenaugennebels, aufgenommen mit dem Hubble-Weltraumteleskop im September 1994. Das Bild ist farb­kodiert: Rot gibt die Verteilung von Wasserstoff an, Blau diejenige von neutralem Sauerstoff und grün die von ionisiertem Stickstoff. (Bild: J.P.Harrington und K.J. Borkowski (University of Maryland) und NASA)

Katzenaugennebel NGC6543

Aus Archivdaten des Katzenaugennebels, aufgenommen mit dem Hubble-Weltraumteleskop, wurde dieses hochaufgelöste Bild erstellt. Die Bildbearbeitung brachte feine Details in dem hellen Zentralteil des Nebels und in dem umgebenden Halo zum Vorschein. (Bild: NASA, MAST, STSci, AURA und Vicent Peris (OAUV/PTeam))

NGC 6543 ist ein Planetarischer Nebel, der im Fernrohr als diffuses Scheibchen der Gesamthelligkeit 8,1 ​mag erscheint und damit eines der hellsten Objekte dieser Art ist. Der Zentralstern, der ihn zum Leuchten anregt, ist 10,9 mag hell. Es ist ein heißer Stern des Spektraltyps O mit einer Oberflächentemperatur von rund 80 000 Kelvin und der rund 10 000-fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Der Nebel befindet sich in unmittelbarer Nähe des nördlichen Pols der Ekliptik; seine Rektaszension beträgt 17h 58m 33,4s, seine Deklination +66° 37′ 58,75″ (Koordinaten im System 2000.0). Er ist ungefähr 4300 Lichtjahre von uns entfernt und vermutlich erst vor etwa 1000 Jahren entstanden, als der Zentralstern – der möglicherweise aus zwei eng benachbarten Komponenten besteht – einen Großteil seiner äußeren Gashülle explosionsartig abgestoßen hat. (Genau genommen hätte man dieses Ereignis vor 1000 Jahren bemerken können; wegen der Laufzeit des Lichts ist der Stern aber bereits vor rund 4000 Jahren explodiert.)

im Fernrohr erscheint NGC 6543 als bläulichgrünes Scheibchen. Auf fotografischen Aufnahmen mit langer Brennweite offenbart er eine sehr komplexe Struktur. Wegen seines Aussehens hat man ihm den Namen „Katzenaugennebel“ gegeben. Das Katzenauge hat eine Winkelausdehnung von 6,4′ × 0,3′ und ist in einen runden Halo aus sehr dünnem Gas eingebettet. Der Halo offenbart in hochauflösenden Aufnahmen mehrere konzentrische Ringe. Dabei handelt es sich um Gase, die der Zentralstern vor Entstehung des Planetarischen Nebels in regelmäßigen Abständen in Form von starken Sternwinden aus seinen äußeren Schichten abgestoßen hat.

Die Aufnahmen des Katzenaugennebels, die mit modernen hochauflösenden Teleskopen gemacht wurden, zeigen zum Teil sehr unterschiedliche Strukturen und Farben. Das hängt damit zusammen, dass je nach Wellenlängenbereich unterschiedliche Teile des Nebels erfasst und diese zur besseren Auswertung mit bestimmten Farben kodiert wurden.

 Name:
 NGC 6543
 andere Bezeichnungen:
 Caldwell 6, Katzenaugennebel
 Objekttyp:
 planetarischer Nebel
 Sternbild:
 Drache
 Position (J2000.0):
 α = 17h 58m 33,4s, δ = +66° 37′ 58,7″
 scheinbare Helligkeit:
 8,1 mag
 Winkeldurchmesser:
 6,4′ × 0,3′ (visuell)
 Entfernung:
 1300 pc = 4300 Lj
 Zentralstern:
 HD 164963 (10,9 mag)

Meteorströme

Der Meteorstrom der Draconiden ist vom 6. bis 10. Oktober aktiv und erreicht am 8. Oktober ein Maximum. Sein Radiant im Sternbild Drache (Draco) liegt in der Nähe des Sterns Ny Draconis (ν Dra).

Ursprungskörper der Draconiden ist der Komet 21P/Giacobini-Zinner, dessen Bahn die Erde jedes Jahr um den 8. Oktober kreuzt. Die Umlaufzeit des Kometen beträgt nur 6,5 Jahre. Befindet er sich noch in der Nähe seines Perihels, das fast auf die Erdbahn fällt, während die Erde die auf seiner Bahn hinterlassene Teilchenwolke durchquert, kann es zu sehr hohen Fallzahlen kommen. Dann sind an einem dunklen Standort Dutzende von Meteoren zu sehen. In der Regel jedoch sind die Fallzahlen deutlich geringer, mit vielleicht zwei sichtbaren Meteoren pro Stunde während des Maximums.

Ursprung des Sternbilds Drache

Die beiden Sternbilder Drache und Herkules sind am Himmel benachbart.

Am Himmel scheint der Drache nach dem mythischen Helden Herkules zu schnappen. Das Foto entstand kurz vor Untergang des Sternbilds Herkules; in der Bildecke rechts unten sind horizontnahe Wolken zu sehen, die vom Licht einer nahen Stadt angestrahlt werden.  (Bild: Uwe Reichert)

Am Himmel gibt es mehrere markante Ketten von Sternen, in denen im Altertum schlangen- oder drachenähnliche Untiere gesehen wurden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass auch unter den 48 aus der Antike überlieferten Sternbildern mehrere solcher Monster vertreten sind. Draco ist für den Beobachter auf der nördlichen Hemisphäre sicherlich eines der bekanntesten, weil es für Breiten nördlich von 42° Nord zirkumpolar ist, also niemals unter den Horizont sinkt.

Drachen kamen in unterschiedlichen Erscheinungsformen in vielen alten Kulturen vor, und ihre Mythen scheinen auf älteste Zeiten zurückzugehen.

Ladon bewacht den Baum mit den goldenen Äpfeln der Hesperiden

In der griechischen Mythologie war der Drache eines der Untiere, mit denen Herakles kämpfte. Zu den zwölf Aufgaben, die der griechische Held für den König Eurystheus zu erfüllen hatte, gehörte der Diebstahl der goldenen Äpfel der Hesperiden. Diese Früchte waren einst das Hochzeitsgeschenk der Erdgöttin Gaia für Hera, die Gattin des Zeus, und sie wuchsen in einem Hain irgendwo am westlichen Ende der Welt. Dort wurden die Bäume von den Hesperiden, den Töchtern des Abends, bewacht, denn kein Mensch durfte von den Äpfeln kosten, weil ihr Genuss Unsterblichkeit und ewige Jugend verheißen hätte. Unterstützt wurden die Hesperiden von dem unsterblichen Drachen Ladon, einem grässlichen Wesen mit mehreren Köpfen, das niemals schlief.

Herakles fand den Hain nach einigen Abenteuern schließlich in der Gegend, wo der Riese Atlas den Himmel auf seinen Schultern trug. Nach einer Version der Sage überredete Herakles den Riesen, für ihn die goldenen Äpfel zu holen und bot ihm dafür an, für diese Zeit die schwere Last zu übernehmen. Nach anderer Überlieferung war es Herakles selbst, der die Äpfel holte, und er musste dazu Ladon töten. Von Hera soll der Drache anschließend an den Himmel versetzt worden sein; dort scheint er noch immer mit seinem Maul nach Herakles zu schnappen, der im benachbarten Sternbild Herkules verewigt ist.