Sternbild Fliege (Musca)

Das Sternbild Fliege liegt zwischen dem Kreuz des Südens und dem Himmelssüdpol

Das Sternbild Fliege liegt südlich vom Kreuz des Südens. (Bilder: Uwe Reichert)

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Die Fliege (lateinisch Musca) ist ein kleines, aber markantes Sternbild am Südhimmel, das sich zwischen dem Kreuz des Südens und dem Himmelssüdpol befindet. Für Orte südlich einer geografischen Breite von 14° N steigt das Sternbild vollständig über den Südhorizont. In den Monaten April und Mai steht es dann günstig am Abendhimmel. Eine sinnvolle astronomische Beobachtung ist jedoch nur auf der Südhalbkugel der Erde möglich.

Das Sternbild liegt unmittelbar südlich der auffälligen Sternbilder Kentaur (Centaurus) und Kreuz des Südens (Crux), so dass es leicht am Himmel aufzufinden ist. Weitere benachbarte Sternbilder sind der Kiel des Schiffes (Carina) im Westen, Chamäleon (Chamaeleon) im Süden sowie der Paradiesvogel (Apus) und der Zirkel (Circinus) im Osten.

Teil der Scorpius-Centaurus-Assoziation

Hellster Stern in der Fliege ist Alpha Muscae (α Mus) mit einer scheinbaren visuellen Helligkeit von 2,65 mag. Etwa eine halbe Helligkeitsklasse lichtschwächer erscheint Beta Muscae (β Mus), der in Wahrheit ein enger Doppelstern aus zwei Überriesen ist. Wie Alpha Muscae und einige andere Sterne in dieser Konstellation und in der weiteren Umgebung gehören sie zur Scorpius-Centaurus-Assoziation. Die Sterne dieser Assoziation bildeten einst einen offenen Sternhaufen, in dem sie gemeinsam entstanden waren. Im Lauf von mehreren Jahrmillionen haben sie sich in einem weiteren Raumbereich verstreut. Im Mittel sind diese Sterne zwischen 300 und 500 Lichtjahre von uns entfernt. Zumeist sind es helle Sterne der Spektraltypen O und B, die in einem weißlich-blauen Licht leuchten.

In den nördlichen Bereich des Sternbilds Fliege ragt der Kohlensack, eine riesige Dunkelwolke, hinein. Diese Wolke aus interstellarem Gas und Staub, die 500 bis 600 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, verdeckt zum großen Teil das Licht der weiter entfernt stehenden Sterne. Deshalb erscheint sie beim Anblick mit bloßen Augen als Loch in der Milchstraße.

Das Sternbild Fliege enthält einige Sternhaufen und andere interessante Beobachtungsobjekte. Der mit 7,4 mag hellste Kugelsternhaufen ist NGC 4833, der etwa 40 Bogenminuten nördlich vom Stern Delta Muscae (δ Mus) liegt.

Links zeigt eine mit Koordinaten versehene Karte eines Himmelsausschnitts weiße Sterne auf hellblauem Hintergrund. Die Fläche, die das Sternbild Fliege einnimmt, ist dunkelblau hervorgehoben. Eine Tabelle rechts gibt wichtige Daten des Sternbilds Fliege an.

Besondere Objekte

Hinweis: Dieser Abschnitt ist in Bearbeitung.

Ursprung des Sternbilds

Sternbilder Chamäleon und Fliege (hier als Biene, lateinisch Apis bezeichnet) in der Uranometria des Johann Bayer

Ausschnitt aus der „Uranometria“ des Johann Bayer mit den Sternbildern Chamäleon und Fliege (hier Chameleon und Apis, Biene, genannt). (Quelle: Johann Bayer, Uranometria, 1603. Ein Nachdruck ist 2010 im Kunstschätze-Verlag erschienen)

Sternbilder Chamäleon und Fliege (lateinisch: Musca) im Sternatlas von Johannes Hevelius

Ausschnitt aus dem Sternatlas von Johannes Hevelius mit den Sternbildern Chamäleon und Fliege (lateinisch: Musca). (Aus: Johannes Hevelius, Sternenatlas, russische Ausgabe, Taschkent 1978. Repro: Uwe Reichert)

Das Sternbild Fliege gehört nicht zu den 48 aus der Antike überlieferten Sternbildern, sondern ist eine Erfindung der Neuzeit. Als europäische Seefahrer im 16. Jahrhundert die Südmeere erkundeten, brachten sie Aufzeichnungen über den südlichen Sternenhimmel mit, was die Astronomen veranlasste, neue Sternbilder einzuführen.

Der niederländische Pfarrer, Astronom und Kartograf Petrus Plancius (1552 – 1622) hatte zunächst Berichte verschiedener Forschungsreisender ausgewertet, namentlich von Amerigo Vespucci (1451 – 1512), Andrea Corsali (1487 – nach 1524) und Pedro de Medina (1493 – 1567). Doch deren Daten ließen keine genaue Kartografie des Sternenhimmels zu. So unterrichtete Plancius die Seefahrer Frederick de Houtman (1571 -1621) und Pieter Dirkszoon Keyser (1540 – 1596) in der astronomischen Positionsbestimmung und beauftragte sie, während ihrer Reisen nach Ostindien den südlichen Sternenhimmel zu vermessen. Anhand ihres Sternkatalogs zeichnete Plancius zwölf neue Sternbilder auf einem Himmelsglobus ein. Leider ist weder der Originalkatalog noch der Globus erhalten geblieben.

Beutetier für das Chamäleon: die Fliege (oder Biene)

Eine dieser neuen südlichen Konstellationen ist die Fliege, von Keyser „De Vlieghe“ genannt. In der latinisierten Form „Musca“ ist sie heute eines der 88 offiziellen Sternbilder. Doch bis es so weit war, fand das Sternbild unter diversen Namen Eingang in verschiedene Himmelsatlanten und -kataloge. Der Augsburger Liebhaberastronom Johann Bayer (1572 – 1627) bezeichnete das Sternbild in seiner 1603 erschienenen „Uranometria“ als Biene (lateinisch: Apis). Johannes Kepler, der in seinen „Rudolfinischen Tafeln“ den Katalog von Keyser als Tabellen aufnahm, nutzte beide Namen: Apis und Musca. Demnach hatte Keyser dieses Sternbild aus vier Sternen gebildet, die er dem Kopf, den beiden Flügeln und dem Hinterteil des Insekts zuordnete. Gemäß der heutigen Notation sind das die Sterne Beta, Alpha, Delta und Gamma Muscae.

Vorübergehend wurde das Sternbild auch als „Musca Australis“ (Südliche Fliege) bezeichnet, um es von der Nördlichen Fliege zu unterscheiden, die Plancius aus einigen Sternen des Widders am Nordhimmel geformt hatte. Auch diese Nördliche Fliege machte eine Metamorphose durch, von einer Biene über eine Wespe und sogar zu einer französischen Lilie, bevor sie endgültig aus den Sternatlanten und der Liste der offiziellen Sternbilder verschwand.

Der Niederländer Pieter Dirkszoon Keyser ist in den historischen Quellen wie der hier genannten „Uranometria“ und den „Rudolfinischen Tafeln“ in seiner lateinischen Namensform Petrus Theodorus als Urheber der zwölf neuen Sternbilder genannt. So hatte er auch das der Fliege benachbarte Sternbild Chamäleon eingeführt. Vermutlich hatte er auf seiner Reise, von der er leider nicht mehr zurückkehrte, die Lebensweise dieser Echsen studieren können. In den historischen Sternatlanten sieht man jedenfalls, wie das unter die Sterne versetzte Chamäleon mit seiner langen Zunge nach der Fliege bzw. der Biene schnappt.