Sternbild Löwe (Leo)

Sternbild-Löwe

Die hellsten Sterne des Löwen scheinen tatsächlich die Form einer liegenden Raubkatze oder der bekannten Sphinx von Gizeh nachzubilden. (Bilder: Uwe Reichert)

(Bewege den Mauszeiger über das obere Bild, um die figürliche Darstellung des Sternbilds einzublenden. Klicke auf eines der unteren Bilder, um es zu vergrößern.)

Der Löwe (lateinisch Leo) ist ein ausgedehntes, markantes Sternbild am Nordhimmel. Es ist von allen bewohnten Gegenden der Erde aus zu sehen und steht in den Monaten März bis Mai günstig am Abendhimmel. Der hellste Stern, Regulus (Alpha Leonis, α Leo), liegt fast direkt auf der Ekliptik, so dass die Sonne, der Mond und die Planeten dicht an ihm vorbeiziehen. Gelegentlich kommt es auch zu einer Bedeckung von Regulus durch den Mond, sehr selten sogar durch einen der Planeten oder einen Asteroiden.

Die Sonne durchquert dieses Sternbild des Tierkreises jedes Jahr vom 10. August bis zum 16. September. Es ist eines der wenigen Sternbilder, in dessen Form sich tatsächlich unschwer das namensgebende Objekt erkennen lässt: Die Gruppierung aus Sternen der 1. bis 3. Helligkeitsklasse formt die Umrisse einer liegenden Raubkatze; ein großes Trapez bildet den Körper, während ein kleineres Hals und Kopf darstellt.

Man kann allerdings in den Sternen, die das Vorderteil des Löwen bilden, auch eine Sichel oder ein spiegelverkehrtes Fragezeichen sehen.

Das Sternbild Löwe enthält fünf Messier-Objekte, die Galaxien M 65, M 66, M 95, M 96 und M 105. Die ersten beiden bilden mit einer weiteren Galaxie, NGC 3628, das so genannte Leo-Triplett, während M 95, M 96 und M 105 gemeinsam mit weiteren Galaxien die M-96-Untergruppe bilden. Beide Galaxien-Untergruppen zählen zu der Leo-I-Gruppe, die wiederum Teil des sehr weiträumigen Virgo-Superhaufens ist.

Links zeigt eine mit Koordinaten versehene  Karte eines Himmelsausschnitts weiße Sterne auf hellblauem Hintergrund. Die Fläche, die das Sternbild Löwe einnimmt, ist dunkelblau hervorgehoben. Eine Tabelle rechts gibt wichtige Daten des Sternbilds Löwe an

Besondere Objekte

Gut zu wissen!

Wolf 359 – ein benachbartes Planetensystem

Wolf ​359 im Sternbild Löwe ist ein roter Zwergstern des Spektraltyps M6, der zu gelegentlichen Helligkeitsausbrüchen, sogenannten Flares, neigt. In der Liste der veränderlichen Sterne trägt er die Bezeichnung CN Leonis. Seine scheinbare Helligkeit beträgt im Normalfall nur 13,5 mag; deshalb ist er nicht mit bloßem Auge, sondern nur mit einem größeren Teleskop oder auf Fotografien zu sehen. Dennoch ist Wolf 359 einer der sonnennächsten Sterne. Er ist nur 7,9 Lichtjahre von uns entfernt. Wir sehen ihn nur deshalb nicht mit bloßen Augen, weil er mit nur zehn Prozent der Masse unserer Sonne einer der leuchtschwächsten Sterne ist, die wir kennen.

Im Jahr 2019 entdeckten Astronomen mit der Radialgeschwindigkeitsmethode zwei Planeten, die diesen Zwergstern umkreisen. Gemäß der Notation für Exoplaneten tragen sie die Bezeichnung Wolf 359 b und Wolf 359 c. Während der Planet b eine geschätzte Umlaufzeit von 2940 Tagen hat, umrundet Planet c den Zentralstern einmal in 2,7 Tagen.

Im Rahmen des New Horizons Parallax Program fotografierte die Sonde New Horizons im Jahr 2020 den Stern Wolf 359, als sie 47 AE von der Erde entfernt war. Zusammen mit Aufnahmen von irdischen Teleskopen, die am gleichen Tag gewonnen wurden, konnte mit dieser langen Basis erstmals direkt die Parallaxe eines sonnennahen Sterns bestimmt werden, ohne die Bahnbewegung der Erde herausrechnen zu müssen (siehe Bild rechts). Auch Amateurastronomen beteiligten sich an diesem Projekt.

Fans der Sciencefictionserie Star Trek kennen Wolf 359 als Schauplatz einer großen Schlacht zwischen der Föderation und den Borg.

Zwei Aufnahmen des Sterns Wolf 359 zeigen ihn an unterschiedlichen Positionen am Himmel.

Das Bild des nahen Sterns Wolf 359 springt vor dem Sternenhintergrund hin und her, wenn man ihn von zwei weit auseinanderliegenden Orten fotografiert. Eine solche Messung gelang erstmals mit dem New Horizons Parallax Program.

Doppelsterne

Regulus dominiert ein Mehrfachsternsystem

Ein blauer Kreis simuliert die Ansicht des Regulus-Sternsystems in einem Teleskopokular: Ein sehr enger Doppelstern befindet sich im weiten Abstand von der Hauptkomponente Regulus

Regulus ist die Hauptkomponente eines hierarchisch gegliederten Mehrfachsternsystems. Im weiten Abstand von Regulus (Komponente A) befindet sich ein enges Doppelsternsystem, dessen beide Komponenten (B und C) einander umkreisen, aber als Doppelsystem wiederum mit Regulus gravitativ verbunden ist. (Bild: Uwe Reichert)

 Name:
 Regulus
 andere Bezeichnungen:
 α Leo, 32 Leo, HD 87901, HIP 49669, HR 3982
 Position (J2000.0):
 α = 10h 08m 22,3s, δ = +11° 58′ 02,0″
 scheinbare Helligkeit:
 1,4 mag

Der 79 Lichtjahre von der Erde entfernte Stern Regulus (lateinisch für „kleiner König“) ist ein junger Hauptreihenstern vom Spektraltyp B8 IVn mit etwa der 3,4-fachen Masse der Sonne. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,4 mag ist er der hellste Stern im Löwen. Er ist deshalb leicht am Himmel zu finden, und weil er die hellste Komponente eines hierarchisch aufgebauten Mehrfachsternsystems ist, lassen sich an ihm die Möglichkeiten und zugleich Grenzen der Doppelsternbeobachtung demonstrieren.

Bereits mit einem Fernglas lässt sich 179 Bogensekunden von Regulus entfernt bei einem Positionswinkel von 304° ein Begleiter (HD 87884) der Helligkeit 8,1 mag erkennen. Nur 2,2 Bogensekunden von diesem Begleiter entfernt befindet sich die dritte Komponente (HD 87884B), die nur 13,2 mag hell ist und nur mit einem größeren Amateurfernrohr auszumachen ist. Der Positionswinkel zwischen der zweiten und der dritten Komponente beträgt 94°. Dieses Paar ist ein schwieriges Beobachtungsobjekt – wegen des geringen Abstands, der geringen Helligkeit der dritten Komponente und dem hellen Glanz der Hauptkomponente Regulus.

Es gibt sogar Hinweise auf eine vierte Komponente. Aus Merkmalen im Spektrum von Regulus schließt eine Forschungsgruppe auf die Anwesenheit eines kompakten Begleiters, der Regulus mit einer Periode von 40,1 Tagen umrundet. Ein solcher Begleiter könnte ein Weißer Zwerg sein. Dieser Befund könnte eine besondere Eigenschaft von Regulus erklären. Denn Regulus rotiert innerhalb von nur 15,9 Stunden einmal um seine Achse. Das ist für einen Stern dieser Größe extrem schnell. Die hohen Fliehkräfte verformen den Stern zu einem Rotationsellipsoid, und er dürfte nah an seiner Stabilitätsgrenze sein – eine noch höhere Rotationsgeschwindigkeit würde den Stern zerreißen. Ein kompakter Begleiter von Regulus könnte in der Vergangenheit Masse und somit Drehimpuls auf die Hauptkomponente übertragen haben, was zu einer Erhöhung der Rotationsgeschwindigkeit geführt hätte.

Eine im Washington Double Star Catalogue (Version vom 17. Juni 2021) eingetragene Komponente D mit der Helligkeit 12,1 mag kann nicht zum Regulus-Mehrfachsystem gehören, wie die Parallaxen- und Eigenbewegungsmessungen des Weltraumteleskops Gaia zeigen.

Gamma Leonis – in der Mähne des Löwen

Der Stern Gamma Leonis (γ Leo) erscheint dem bloßen Auge als Einzelstern der Helligkeit 2 mag, doch ein kleines Teleskop enthüllt seine Doppelsternnatur: Die beiden Komponenten γ1 Leo (2,4 mag) – auch Algieba genannt nach der arabischen Bezeichnung für „Mähne des Löwen“ – und γ2 Leo (3,6 mag) haben aktuell einen scheinbaren Abstand von 4,7 Bogensekunden. Der Positionswinkel beträgt 127°.

Seit Sir William Herschel 1782 die Doppelsternnatur von Gamma Leonis entdeckte, haben sich die beiden Komponenten weiter voneinander entfernt. Die über 200 Jahre von verschiedenen Beobachtern vorgenommenen Messungen erlauben es, die Bahndaten abzuschätzen. Unterstützt durch eigene Beobachtungsreihen errechneten Astronomen der Sternwarte Pulkowo die Umlaufzeit der beiden Sterne zu 550 Jahren. Von der Erde aus gesehen erscheint die Relativbewegung der Komponente γ2 um γ1 Leo als langgestreckte Ellipse, und der Stern  γ2 Leo befindet sich gegenwärtig nahe seines Apastrons, hat also ungefähr seinen fernsten Bahnpunkt erreicht.

Im Jahr 2009 wurde ein Exoplanet entdeckt, der den Stern γ1 Leo in einem Abstand von etwa 1,2 AE und einer Umlaufzeit von 428,5 Tagen umrundet. Es handelt sich um einen Gasriesen von mindestens der 8,8-fachen Jupitermasse. Gemäß der üblichen Notation hat er die Bezeichnung γ1 Leo b erhalten.

 Name:
γ1 Leonis
 γ2 Leonis
 andere Bezeichnungen:
 Algieba, γ1 Leo, 41 Leo A, HD 89484, HR 4057
 γ2 Leo, 41 Leo B, HD 89485, HR 4058
 Position (J2000.0):
 α = 10h 19m 58,4s,
δ = +19° 50′ 29,4″
 α = 10h 19m 58,6s,
δ = +19° 50′ 26,7″
 scheinbare Helligkeit:
 2,4 mag
 3,6 mag
Als langgestreckte Ellipse erscheint die Umlaufbahn des Doppelsterns Gamma Leonis am irdischen Himmel

Beobachtungen aus zwei Jahrhunderten erlaubten es, die relative Umlaufbahn von Gamma-2-Leonis (Komponente B) um Gamma-1-Leonis (Komponente A) zu rekonstruieren. Die Umlaufzeit beträgt etwa 550 Jahre. In der Grafik ist Norden oben und Osten links. (Bild: Uwe Reichert, nach: L.G. Romanenko und A.A. Kiselev, Astronomy Reports 58, 30-38, 2014)

Veränderliche Sterne

Der Mirastern R Leonis

Der Veränderliche R Leonis ist zwischen Regulus und Omikron Leonis zu finden und leicht an seiner rötlichen Farbe zu erkennen. Die Sterne mit Flamsteed-Bezeichnungen (Ziffern) und Bayer-Bezeichnungen (griechische Buchstaben) in diesem Areal sind ebenfalls markiert. (Bild: Uwe Reichert)

Die aus zahlreichen Einzelbeobachtungen erstellte Lichtkurve zeigt die Helligkeitsschwankungen des Mirasterns R Leonis

Lichtkurve des Mira-Veränderlichen R Leonis. Die scheinbare Helligkeit des pulsierenden Sterns schwankt mit einer Periode von etwa 310 Tagen zwischen 4,4 mag und 11,3 mag. Wie bei Messungen von veränderlichen Sternen üblich, ist auf der x-Achse die Zeit als Julianisches Datum angegeben, was eine durchlaufende Zählung der Tage ermöglicht. (Bild: AAVSO)

R Leonis ist ein Pulsationsveränderlicher des Mira-Typs im Sternbild Löwe. Wir finden ihn zwischen Regulus und Omikron Leonis. Im Fernglas erkennen wir seine kräftige rote Farbe. Dieser rote Riesenstern ist etwa 230 Lichtjahre von uns entfernt; seine scheinbare Helligkeit variiert mit einer Periode von 310 Tagen zwischen 4,4 und 11,3 mag.

Im Jahr 2020 erreichte R Leonis sein Helligkeitsminimum im Juni und sein Maximum im Oktober. Die nächste günstige Gelegenheit, den Anstieg der Lichtkurve zu verfolgen, ergibt sich von Januar bis Mai 2023.

Eine Karte zeigt die Umgebung des veränderlichen Sterns R Leonis mit schwarzen Sternen auf weißem Hintergrund

Umgebungskarte für den Mira-Veränderlichen R Leonis, dessen Position in der Bildmitte mit einem Fadenkreuz gekennzeichnet ist. Das Gesichtsfeld der Karte beträgt 1°. Norden ist oben und Osten links. Die Helligkeiten der Vergleichssterne sind in Zehntel Magnituden angegeben, um Verwechslungen des Dezimalpunkts bzw. Kommas mit lichtschwachen Sternen zu vermeiden. Hellster Stern im Bild oben rechts ist 18 Leonis mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,7 mag. Der zweithellste Stern, direkt nördlich von R Leonis, ist 19 Leonis mit einer scheinbaren Helligkeit von 6,4 mag. (Bild: AAVSO)

Galaxien

Das Leo-Triplett

Das Leo-Triplett mit den Galaxien M 65 (unten rechts), M 66 (unten links) und NGC 3628 (oben) in einer Aufnahme des VLT Survey Telescope (VST) der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile. (Bild: ESO/INAF-VST/OmegaCAM. Acknowledgement: OmegaCen/Astro-WISE/Kapteyn Institute)

Mit größeren Amateurfernrohren lohnt sich die Ausschau nach einer der zahlreichen Galaxien im Sternbild Löwe. Allein fünf von ihnen hatte der Astronom Charles Messier in seinem Katalog nebelhafter Objekte verzeichnet – allerdings ohne zu wissen, dass dies eigenständige Systeme aus vielen Milliarden Sternen sind. Die Galaxien M 65 und M 66 sind ein enges Paar, das bereits mit einem guten Fernglas zu erkennen ist. Gemeinsam mit der Galaxie NGC 3628 bilden sie das Leo-Triplett, das manchmal auch M-66-Gruppe genannt wird. Zusammen mit der M-96-Gruppe (s. unten) gehören all diese Galaxien zur Leo-I-Galaxiengruppe mit rund zwanzig Mitgliedern.

 Name:
 Messier 65
 Messier 66
 NGC 3628
 andere Bezeichnungen:
 M 65, NGC 3623
 M 66, NGC 3627
 
 Objekttyp:
 Spiralgalaxie SA B x C
 Spiralgalaxie SA_B C
  Spiralgalaxie SB_x C
 Sternbild:
 Löwe
 Löwe
 Löwe
 Position (J2000.0):
 α = 11h 18m 56,0s,
δ = +13° 05′ 32,0″
 α = 11h 20m 15,0s,
δ = +12° 59′ 28,6″
 α = 11h 20m 17,0s,
δ = +13° 35′ 22,2″
 scheinbare Helligkeit:
 9,2 mag
 8,9 mag
 9,5 mag
 Winkeldurchmesser:
 8,3′ × 2,1′
 8,5′ × 3,8′
  12,9′ × 3,4′
 Entfernung:
 9,9 Mpc = 32 Millionen Lj
  8,8 Mpc = 29 Millionen Lj
 10,4 Mpc = 34 Millionen Lj
 Zugehörigkeit:
 Leo-Triplett
  Leo-Triplett
 Leo-Triplett

Die M-96-Gruppe

Mehrere Galaxien gruppieren sich um die helle Galaxie Messier 96 im Löwen

Die hellsten Mitglieder der rund 35 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernten M-96-Galaxiengruppe sind die Messier-Objekte M 96, M­ 95 und M 105. Auch NGC 3384 gehört dazu, während die ebenfalls im Bild sichtbare Galaxie NGC 3389 mit einer Distanz von ungefähr 57 Lichtjahren deutlich im Hintergrund steht. Eine interaktive Version dieses Bildes ist im Aladin Sky Atlas zu finden. (Bild: DSS colored, Digitized Sky Survey, STScI/NASA, Colored & Healpixed by CDS, via Aladin Sky Atlas, Beschriftung: Uwe Reichert)

Ein kleines Teleskop zeigt etwas westlich vom Leo-Triplett die Gruppe aus M 95, M 96, M 105 und einigen weiteren Galaxien. Nach ihrem hellsten Mitglied wird diese Ansammlung M-96-Gruppe genannt. Gemeinsam mit dem Leo-Triplett gehört diese Galaxiengruppe zum Virgo-Superhaufen, dem auch die Lokale Gruppe und unser eigenes Milchstraßensystem angehören..

 Name:
 Messier 95
 Messier 96
 Messier 105
 andere Bezeichnungen:
 M 95, NGC 3351, Leo 7
 M 96, NGC 3368, Leo 19
 M 105, NGC 3379, Leo 2
 Objekttyp:
 Spiralgalaxie SBb C
 Spiralgalaxie SBa C
 elliptische Galaxie E1 D
 Sternbild:
 Löwe
 Löwe
 Löwe
 Position (J2000.0):
 α = 10h 43m 57,7s,
 δ = +11° 42′ 13,6″
 α = 10h 46m 45,7s,
 δ = +11° 49′ 11,8″
 α = 10h 47m 49,6s,
 δ = +12° 34′ 53,9″
 scheinbare Helligkeit:
 9,7 mag
 9,3 mag
 9,8 mag
 Winkeldurchmesser:
 7,1′ × 4,3′
 7,2′ × 4,8′
 5,1′ × 4,7′
 Entfernung:
 9,3 Mpc = 30 Millionen Lj
 10,9 Mpc = 36 Millionen Lj
 11,2 Mpc = 37 Millionen Lj
 Zugehörigkeit:
 M-96-Gruppe
 M-96-Gruppe
 M-96-Gruppe

Meteorströme

Die Leoniden

Leonidenfall 1872, Holzstich (Bild: Aus Camille Flammarion, Himmelskunde für das Volk, Verlag F. Zahn, Neuenburg, o.J.)

Jedes Jahr im November ist ein Meteorstrom zu sehen, der seinen Ursprung scheinbar im Sternbild Löwe hat. Dieser Leoniden-Strom ist in gewöhnlichen Jahren mit etwa zehn Meteoren pro Stunde nicht sehr auffällig. Doch kann er etwa alle 33 ​Jahre außerordentlich hohe Fallzahlen erreichen. So ging 1966 über dem Mittelwesten der USA ein wahrer Sternschnuppenregen nieder, und während des kurzen Maximums wurden 40 Meteore pro Sekunde gezählt.

Ursprungskörper der Leoniden ist der Komet 55P/Tempel-Tuttle, dessen Bahn die Erde jedes Jahr um den 17. November kreuzt. Da sich der Komet rückläufig (retrograd) durch das innere Sonnensystem bewegt, ist die Relativgeschwindigkeit zwischen den Staubteilchen, die er in Sonnennähe verliert, und der Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne mit etwa 70 Kilometer pro Sekunde sehr hoch. Entsprechend schnell treten diese Staubteilchen in die Atmosphäre der Erde ein, so dass ihre Leuchtspuren, die Meteore, außerordentlich rasch über den Himmel huschen.

Angaben zur erwarteten Aktivität des Leoniden-Meteorstroms und zum erwarteten Maximum finden sich in unserem Ereigniskalender.

Eine Partikelwolke treibt auf der elliptischen Umlaufbahn des Kometen Tempel-Tuttle um die Sonne

Eine Teilchenwolke, die auf der Umlaufbahn des Kometen 55P/Tempel-Tuttle um die Sonne treibt, ist Ursache des Leoniden-Meteorstroms. Jedes Jahr um den 17. November kreuzt die Erde die Bahn dieser Partikelwolke. (Bild: www.meteorshowers.org / Uwe Reichert; ein Klick auf den Link öffnet eine interaktive Darstellung)

Ursprung des Sternbilds Löwe

Sternbild-Löwe Figur

König Eurystheus versteckt sich vor dem starken Herakles in einem Vorratsgefäß, als dieser ihm den erlegten Nemeischen Löwen bringt. Die kleine Bronzefigur befindet sich im Museum von Delphi. (Bild: Uwe Reichert)

 

Wegen der auffälligen Form bezeichneten viele antike Kulturen im vorderasiatischen Raum das Sternbild in ihrer Sprache als Löwen. Auch der hellste Stern des Sternbilds, Regulus, scheint von alters her in den verschiedenen Sprachen des Mittleren Ostens der „Königliche“ genannt worden zu sein. Der Löwe stand damals als Symbol für einen königlichen Herrscher, der oft als Inkarnation der Sonnengottheit galt. Über die dem „König der Tiere“ zugeschriebenen Attribute wie Kraft, Ausdauer, Weisheit und Macht hat sich diese Symbolik bis in die Neuzeit erhalten. Zahlreiche Wappen und Ausschmückungen an Thronsesseln oder Grablegen von Herrschern künden davon.

Die Übertragung von Attributen des Löwen auf einen weltlichen Herrscher ist möglicherweise nicht nur auf die Eigenschaften der Raubkatze zurückzuführen. Astronomisch bemerkenswert ist, dass um das Jahr −2345 Regulus an der höchsten Stelle der Ekliptik stand (Position in ekliptikaler Länge/Breite: +90°/+0,2°, Rektaszension/Deklination: 6h00m/+24,1°). Das bedeutete, dass Regulus am Tag der Sommersonnenwende – dem längsten Tag des Jahres – am Himmel die gleiche Position wie die Sonne einnahm. Seine Oppositionsstellung erreichte er zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende.

Die Gleichsetzung des Sternbilds Löwe mit dem Nemeischen Löwen der griechischen Sage erfolgte erst zu einem späteren Zeitpunkt, als sich aufgrund der Präzession die Lage der Solstitien und Äquinoktialpunkte bereits deutlich verschoben hatte.

Herakles und der Nemeische Löwe

Der griechischen Sage nach soll das Sternbild den Nemeischen Löwen darstellen. Herakles tötete ihn, als er seinen ersten Auftrag für Eurystheus, den König von Mykene und Tiryns, erfüllte. Dieses Untier wohnte in einer Höhle nahe der Stadt Nemea auf dem Peloponnes, von wo aus es die Umgebung unsicher machte. Es war unverwundbar, weil sein hartes Fell jede Art von Waffe abprallen ließ. So war Herakles allein auf seine Körperkräfte angewiesen: Er verschloss einen der beiden Zugänge der Höhle mit einem Felsen, ging durch den anderen hinein, trat der Bestie entgegen und erwürgte sie mit bloßen Händen. Den toten Löwen trug er zu Eurystheus, doch der wollte ihn nicht haben und verkroch sich furchtsam in einen leeren Vorratskrug, der im Boden eingegraben war (Bild links). Daraufhin zog Herakles mit den harten, rasiermesserscharfen Krallen des Löwen dessen Fell ab und nutzte es fortan als Mantel, der ihn vor fremden Waffen schützte.