Sternbild Indianer (Indus)

Zwischen den hellsten Sternen der Sternbilder Pfau, Tukan und Kranich bilden einige lichtschwächere Sterne die Konstellation Indianer.

Das wenig auffällige Sternbild Indianer befindet sich zwischen den hellsten Sternen der Sternbilder Pfau, Tukan und Kranich. Mit den beiden hellsten Sternen im Bild bildet Alpha Indi (α Ind) ein rechtwinkliges Dreieck, worüber dieser Stern leicht am Himmel aufzufinden ist. (Bilder: Uwe Reichert)

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Der Indianer (lateinisch Indus) ist ein wenig auffälliges Sternbild am Südhimmel. Es ist nur für Orte südlich des 16. nördlichen Breitengrades vollständig zu sehen – was etwa den Regionen Südamerika, Afrika südlich der Sahara, Südostasien, Australien und Ozeanien entspricht. Dort steht es in den Monaten Juli bis September günstig am Abendhimmel. Zirkumpolar ist das Sternbild nur für das Südpolarmeer und die Antarktis.

Mit seiner Südgrenze stößt der Indianer an das Sternbild Oktant (Octans), in dem sich der südliche Himmelspol befindet. im Westen benachbart sind die Sternbilder Pfau (Pavo) und Teleskop (Telescopium). Im Osten wird der Indianer durch die Sternbilder Tukan (Tucana) und Kranich (Grus) begrenzt, die ihm also wegen der Erddrehung am Himmel nachfolgen. Im Norden schließt sich das unscheinbare Sternbild Mikroskop (Microscopium) an.

Hellster Stern des Indianers ist Alpha Indi (α Ind) mit 3,1 mag. Er ist gut über drei Sterne der 2. Helligkeitsklasse aufzufinden, die in seiner Nähe liegen. Zum einen liegt er etwa in Verlängerung der Sterne Beta und Alpha Grucis (β und α Gru), zum anderen bildet er mit Alpha Grucis und Alpha Pavonis ein etwa rechtwinkliges Dreieck. Neben Alpha Indi ist nur noch der Stern Beta Indi (β Ind) heller als 4 mag.

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Links zeigt eine mit Koordinaten versehene  Karte eines Himmelsausschnitts weiße Sterne auf hellblauem Hintergrund. Die Fläche, die das Sternbild Indianer einnimmt, ist dunkelblau hervorgehoben. Eine Tabelle rechts gibt wichtige Daten des Sternbilds Indianer an.

Besondere Objekte

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Ursprung des Sternbilds Indianer

Das Sternbild Indianer befindet sich zwischen Vögeln, Sagengestalten und technischen Instrumenten am Südhimmel.

Johann Elert Bode (1747 – 1826) illustrierte das Sternbild Indianer in seiner 1782 erschienenen „Vorstellung der Gestirne auf XXXIV Kupfertafeln nach der Pariser Ausgabe des Flamsteedschen Himmelsatlas“. (Aus: J. E. Bode’s Sternatlas. Nachdruck der Originalausgabe von 1782 auf Veranlassung von Dr. Hans Vehrenberg, Treugesell-Verlag/Sterne und Weltraum)

Für einen großen Bereich des Südhimmels waren keine Sternbilder aus der Antike überliefert. Der Indianer gehört zu den zwölf Konstellationen, die nach den ersten Ostindien-Expeditionen niederländischer Seefahrer Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt wurden; er geht auf die Aufzeichnungen von Pieter D. Keyser (1540 – 1596) und Frederick de Houtman (1571 – 1627) zurück, die ihn „De Indiaen“ nannten.

Die zwölf neuen Sternbilder erschienen zunächst auf Himmelsgloben verschiedener Hersteller, bevor sie der in Augsburg tätige Rechtsanwalt und Liebhaberastronom Johann Bayer (1572 – 1625) in seiner 1603 erschienenen „Uranometria“ aufnahm. In diesem Sternatlas taucht der Indianer in der latinisierten Form „Indus“ auf. Unter diesem Namen zählt der Indianer heute zu den 88 offiziellen Sternbildern des irdischen Nachthimmels, die von der Internationalen Astronomischen Union festgelegt wurden.

Die in der Vergangenheit manchmal benutzte Bezeichnung „Inder“ ist heute nicht mehr üblich. Die frühen europäischen Seefahrer, die Handelsbeziehungen nach Süd- und Ostasien aufbauten, nutzten diesen Namen offenbar pauschal als Bezeichnung für die dortigen Einwohner. Andererseits hatten sie offenbar mit dem Sternbild Angehörige von Naturvölkern im Sinn, wie sich aus den ersten bildlichen Darstellungen ergibt. So wurde der Indianer stets als Mann im Lendenschurz abgebildet, der insgesamt vier Speere oder lange Pfeile in den Händen hält. Am Südhimmel findet sich der Indianer nun inmitten verschiedener Vögel, Sagengestalten und technischen Instrumenten wieder.