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Das Sternbild Skorpion im Bereich der südlichen Milchstraße fällt durch seine markante Struktur auf. Die hakenartige Anordnung der Sterne ähnelt tatsächlich einem Spinnentier mit aufgerichtetem Hinterteil. (Bilder: Uwe Reichert)
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Von Mitteleuropa aus steigt nur der nördliche Bereich des Skorpions über den Südhorizont. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Mai 2016 standen die Planeten Saturn und Mars nahe am Stern Antares. (Bild: Uwe Reichert)
Besondere Himmelsobjekte
Hinweis: Dieser Abschnitt ist in Bearbeitung.
Ursprung des Sternbilds Skorpion
Beobachter im alten Babylonien erkannten wohl als Erste die astronomische Bedeutung der beiden Äquinoktialpunkte, in denen sich die Ekliptik und der Himmelsäquator schneiden. Um das Jahr 3000 v. Chr. befand sich der Herbstpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator von Nord nach Süd überquert, nahe am Stern Antares im Skorpion. Zu gleicher Zeit lag der Frühlingspunkt im sogenannten Goldenen Tor der Ekliptik zwischen dem Stern Aldebaran und den Plejaden. Ein Jahrtausend zuvor, um das Jahr 4000 v. Chr., lagen diese Äquinoktialpunkte aufgrund der Präzession jeweils 14° weiter östlich. Damals markierte im babylonischen Raum der heliakische Aufgang von Antares, also dessen erstes Sichtbarwerden in der Morgendämmerung über dem Osthorizont, den Herbstanfang. Analog zeigte der heliakische Aufgang der Plejaden den Beginn des Frühlings an und derjenige von Regulus im Löwen den Beginn des Sommers. Zu Winteranfang stieg in der Morgendämmerung das Sternbild Wassermann am Südosthorizont empor. Zwar fehlt dem Wassermann ein heller Stern, aber der heliakische Aufgang des Sterns Alpha Aquarii könnte als Marker ausreichend gewesen sein: Immerhin weist die gekrümmte Sternenkette des zuvor aufgegangenen Sternbilds Steinbock auf seine Position, so dass geübte Beobachter ihn in der Morgendämmerung zu Beginn des astronomischen Winters ausfindig machen konnten. Das Sternbild Skorpion im MUL.APIN
Symbolische Darstellungen der vier astronomisch bedeutenden SternbilderKonstellationen aus mehreren auffällig angeordneten Sternen am irdischen Himmel, die von Beobachtern mit einem bestimmten Namen belegt wurden, um sie leicht merken zu können. Praktisch alle Kulturkreise der Welt haben so Ordnung in die verwirrende Vielfalt an scheinbar zufällig verteilten, unterschiedlich hellen Sternen gebracht. Als Namensgeber fungierten Figuren aus der Mythologie, Tiere oder Gegenstände aus dem gewohnten Umfeld. Für die moderne Astronomie spielen Sternbilder keine Rolle. Doch für die Amateurastronomen oder für erste Orientierungsversuche am Nachthimmel haben sie einen hohen Wert. Die meisten der heute insgesamt 88 offiziell anerkannten Sternbilder wurden aus der griechischen Mythologie übernommen. Stier, Löwe, Wassermann und Skorpion und der mit ihnen verbundenen Gottheiten sind aus dem mesopotamischen Raum bereits aus dem 3. und 4. Jahrtausend v. Chr. überliefert. Die ältesten bekannten Sternbeobachtungen sind jedoch deutlich jünger: Auf mit Keilschrift beschriebenen Tontafeln ist eine Zusammenstellung von Sternen und SternbilderKonstellationen aus mehreren auffällig angeordneten Sternen am irdischen Himmel, die von Beobachtern mit einem bestimmten Namen belegt wurden, um sie leicht merken zu können. Praktisch alle Kulturkreise der Welt haben so Ordnung in die verwirrende Vielfalt an scheinbar zufällig verteilten, unterschiedlich hellen Sternen gebracht. Als Namensgeber fungierten Figuren aus der Mythologie, Tiere oder Gegenstände aus dem gewohnten Umfeld. Für die moderne Astronomie spielen Sternbilder keine Rolle. Doch für die Amateurastronomen oder für erste Orientierungsversuche am Nachthimmel haben sie einen hohen Wert. Die meisten der heute insgesamt 88 offiziell anerkannten Sternbilder wurden aus der griechischen Mythologie übernommen.n erhalten, die nach ihrem ersten Eintrag MUL.APIN genannt wird. Das sumerische mulAPIN heißt „Sternbild Pflug“, das nach moderner Interpretation das Sternbild Dreieck ist. Die im MUL.APIN überlieferte Liste entstand um das Jahr 1000 v. Chr., wobei einzelne Teile vermutlich mehrere Jahrhunderte älter sind. Im MUL.APIN finden wir das sumerische Sternbild GIR.TAB, was „Skorpion“ bedeutet. Den hellen, rötlichen Hauptstern Antares bezeichneten die Sumerer als GAB.GIR.TAB, „Brust des Skorpions“. Die Araber nannten den Stern ähnlich, nämlich qalb al-aqrab, (قلب العقرب), „das Herz des Skorpions“. Als die Griechen das Sternbild Skorpion übernahmen, war der Herbstpunkt infolge der Präzession längst in das Sternbild Jungfrau (Virgo) weitergerückt. Das Sternbild war bei ihnen auch kleiner als im Alten Orient. Denn die Scheren des Skorpions waren zum Sternbild Waage (Libra) geworden. Eine nochmalige Verkleinerung erfolgte durch die Neuordnung der Sternbildgrenzen in den 1920er Jahren. Deshalb durchschneidet die Ekliptik heute nur noch einen schmalen Bereich im nördlichen Teil des Sternbilds.

Eine Doppelseite aus dem historischen Sternatlas von Johann Bayer zeigt das Sternbild Skorpion als anatomisch korrektes Spinnentier mit großen Fangarmen und aufgerichtetem Hinterteil. Mit dem schraffierten Band um die Ekliptik herum markierte Bayer den Bereich, in dem sich die Planeten bewegen können. (Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus der Faksimile-Ausgabe der Uranometria 1603 von Johann Bayer, KunstSCHÄTZEverlag 2010, und der Universitätsbibliothek Heidelberg.)
Quellen:
- Teije de Jong: Astronomical dating of the rising star list in MUL.APIN.: In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 97, S. 107–120 (2007). (Preview)
- John H. Rogers: Origins of the ancient constellations: I. The Mesopotamian traditions. Journal of the British Astronomical Association 108, S. 9-28 (1998). (Abstract)